PASTOREDELLAGO
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MAREMMEN-ABRUZZEN-SCHÄFERHUND

 

DIE RASSE

CANE DA PASTORE MAREMMANO-ABRUZZESE

 

Maremmano
oria transumante

 

Herkunft, Ursprung und Geschichte                                                                                       Der Maremmano ein Hirtenhund

Der Cane da Pastore Maremmano Abruzzese ist ein "Herdenschutzhund“, vereinfacht ausgedrückt, ein "Hirtenhund", welcher eigenständig eine Nutztierherde vor Beutegreifern und Dieben beschützt, anders als die Hütehunde, welche nicht eigenständig, sondern vom Hirten angeleitet, die Herde zusammenhalten und treiben.

Die Ursprünge der Hirtenhunde liegen in der Zeit der Domestizierung von Ziegen und Schafen ca. 6000 v.Chr. Den Überlieferungen nach wurden die Pastore in Italien in der Maremma und in den Abruzzen seit der Antike als Hirtenhunde eingesetzt und wandern bis heute mit den Hirten und ihren Herden den Jahreszeiten folgend zu den Weiden (Transhumanz). 

Die Hirtenhunde beschützen nicht nur die Herde, sondern auch die zugehörigen Menschen und deren Eigentum. Aus diesem Grund wurden und werden die Maremmani und Abruzzese in Italien neben der Integration in die Hirtenwanderschaft auch als Wach- und Hofhunde, sprich "Familienhunde", eingesetzt und gezüchtet.

Diese sehr ursprüngliche Rasse war immer ein Arbeits- und kein Ausstellungstier, dadurch unterblieben züchterische "Verschönerungen", so dass die Rasse als sehr gesund und robust gilt.

Dem Maremanno äusserlich ähnlich (aber charakterlich anders) sind einige andere grosse, weisse Hirtenhundrassen: der Kuvasz (Ungarn), der Pyrenäenberghund (Frankreich und Spanien, auch Patou genannt), der Slovensky Cuvasz (Slowakei, auch Liptak genannt), der Podhalanski (Polen, auch Tatraberghund oder Goralenhund genannt) und der Akbas (Türkei).

Mit der Rückkehr von Beutegreifern nach Mitteleuropa und in die Alpenregion werden auch in unseren Breiten Hirtenhunde an der Herde eingesetzt, darunter auch Maremmani.

 

tritone

 

 

Charakter und Wesen                                                            Der Maremmano ein Arbeits- oder Familienhund oder beides?

Den Charakter des Pastore muss man vor dem Hintergrund seiner Herkunft und seines Ursprungs als Herdenschutzhund betrachten.

Die Rasse des Maremmen-Abruzzen-Schäferhundes wurde über Jahrhunderte durch genetische Selektion, sowie durch Prägung und Sozialisierung weiterentwickelt. Durch diese Auslese wurden erwünschte Verhaltensweisen verstärkt und unerwünschte unterdrückt.

Es sind sehr selbstständige und selbstbewusste Hunde mit einem ausgeprägten Wach- und Schutzinstinkt, scharfen Sinnen und einem starken Territorialverhalten. Sie sind misstrauisch gegenüber Fremden und Unbekanntem, aber niemals aggressiv, sondern bei Gefahr defensiv drohend. Sie gelten als sehr ausgeglichen und zuverlässig.

Auch als Familienhund bewahrt sich der Maremmano seine starke Eigenständigkeit. Bei rassegerechter Haltung und Verständnis für seinen speziellen Charakter wird er aufgrund seiner hohen sozialen Kompetenz ein treuer und liebevoller sowie ein loyaler Begleithund sein. Die Maremmani gelten als intelligent, schlau und lernfähig. Sie treten sehr souverän auf. Sie sind eigensinnig und bisweilen stur.

Zitat von Dott. Dario Capogrosso, Pastore Ttransumante: Es ist eine ganz besondere Rasse, italienischen Ursprungs, doch paradoxerweise nur von wenigen in seiner wahren Natur gekannt, eine atypische Rasse in der unendlichen Galaxie offiziell anerkannter Hunderassen. Der Maremmano wurde weder gemäß den menschlichen Verhaltensweisen geformt, noch erlag er den Verlockungen eines warmen und geschützten Zuhauses. Statt dessen haben ihn die Regeln und Umstände des Schäferdaseins zu dem gemacht, was er heute ist.“

Zitat aus dem FCI-Rassestandard: „Obwohl stolz und jeglicher Unterwürfigkeit abgeneigt, erweist er doch seinem Herrn und seiner Umgebung eine ergebene Anhänglichkeit.“

 

 

tritone

 

 

Haltung und Erziehung                                                                                                         Der Maremmano als Familienhund

Wie den Charakter des Maremmano muss man auch seine Haltung und Erziehung vor dem Hintergrund seiner Herkunft als Herdenschutzhund sehen.

Die genetische Veranlagung des Maremmano ermöglichen es, eine starke soziale Bindung des Hundes auf seine "Herde“ oder seine "Familie“ zu formen. Voraussetzung ist die umsichtige Prägung des Hundes durch den Züchter und die ebenso vielfältige Sozialisierung durch den Halter.  Entsprechen Prägung und Sozialisierung den Anforderungen unserer Gesellschaft und den Lebensbedingungen, die der Hund hier vorfindet, so  eignet sich der Maremmano hervorragend als Familienhund.

Der Maremmano braucht ein Haus mit einem grossen Garten, welches er bewachen kann. Wichtig ist die Integration in die Familie mit allen Kindern und Angehörigen. Er wird die Familie als seine Herde wahrnehmen und hingebungsvoll beschützen, ebenso zugehörige Haustiere. Der Maremmane braucht viel Bewegung, deswegen sollten ausgiebige Spaziergänge und Wanderungen für zusätzliche Auslastung sorgen.

Aufgrund seiner Eigenständigkeit befolgt der Maremmano nicht jeden Befehl sofort. Er lernt aber schnell, was von ihm verlangt wird und wird dem Befehl nach einer Denkpause folgen. Vollkommen ungeeignet sind Drill und Härte. Selbstverständlich sind Korrekturen notwendig, ebenso die Klärung der Statusfrage, aber bei einem Hirtenhund darf man nicht zuviel "herumerziehen". Er wird von selbst begreifen, was erwünscht ist. Er lernt weniger durch Übung, sondern durch Beobachtung.

Zitat von Dott. Dario Capogrosso, Pastore Transumante: „Was ihn so faszinierend macht, ist die Tatsache, dass er nicht zum Sklaven des Menschen geworden ist. Diese wundervollen Hunde haben eine Art ursprüngliche Weisheit behalten, dank welcher sie in der Lage sind, selbständig zu entscheiden, was in diesem bestimmten Augenblick richtig oder falsch ist.“

Zitat von Hans-Wolfgang Woltemade, Stedinger: „Er ist immer bestrebt, zu tun, was von ihm verlangt wird. Dies kann länger dauern, als eine Abrichtung in der Hundegruppe, aber es kommt aus der eigenen Einsicht“.

Zitat von Bruno Kaufmann, maremmano.ch: Die Basis der Hundeerziehung ist nicht Sitz, Platz oder Hier, sondern die Fähigkeit, erfolgreich mit dem Hund zu kommunizieren. Und wie immer in der Kommunikation, ist nicht die Botschaft wichtig, sondern wie die Botschaft verstanden wird.“

  

Maremmano
oria transumante

 

 

 Rassestandard                                   FCI–Standard Nr. 201, FCI-Gruppe 1 Hüte-und Treibhunde, Sektion 1 Schäferhunde

Auszug aus der Übersetzung von Frau Michèle Schneider, 27.11.1989

Ursprung: Italien

Verwendung: Als Schäferhund wird er vor allem zum Beschützen der Herden und zum Bewachen der Besitztümer verwendet.

Kurzer geschichtlicher Abriss: Diese alte Schäferhundrasse geht auf Herdenschutzhunde zurück, die heute noch in den Abruzzen verwendet werden, wo die Schafzucht auch in unseren Tagen noch mit Erfolg betrieben wird, und auf die Hunde der Hirten, die vormals in den Maremmen der Toskana und des Latiums lebten. Besonders nach 1860 begünstigte die Transhumanz der Herden von der einen Region in die andere eine natürliche Vermischung der beiden ursprünglichen Rassen.

Allgemeines Erscheinungsbild: Der Maremmen-Abruzzen-Schäferhund ist ein grossformatiger Hund, kräftig gebaut, von rustikalem Aussehen, dennoch majestätisch und typvoll. Seine Gestalt ist bei mittleren Proportionen die eines schweren Hundes, dessen Rumpf länger ist als die Widerristhöhe; er ist harmonisch gebaut, sowohl in bezug auf die Grösse (Heterometrik = normale Verhältnisse zwischen der Grösse und den verschiedenen Körperteilen) als auch bezüglich der Profile (Alloidismus = Konkordanz zwischen Kopf– und Körperprofil).

Verhalten, Charakter, Wesen: Seine Hauptaufgabe als Wach- und Schutzhund für die Herden und alles Hab und Gut äussert sich in der Art, wie er übertragene Aufgaben mit Umsicht, Mut und Entschlossenheit ausführt. Obwohl stolz und jeglicher Unterwürfigkeit abgeneigt erweist er doch seinem Herrn und seiner Umgebung eine ergebene Anhänglichkeit.

Haar: Sehr reiches Fell, lange Haare, eher rau beim Berühren; gut am Körper anliegend ähnelt es einem steifen Rossmähnenhaar; eine leichte Wellung wird toleriert, das Haar formt einen beachtlichen Halskragen und mässig lange Fransen am hinteren Rand der Gliedmassen, es ist jedoch kurz auf Schnauze, Schädel, Ohren und der Vorderseite der Gliedmassen, auf dem Rumpf erreicht das Haar eine länge von 8 cm, Unterwolle ist nur im Winter reichlich vorhanden, Farbe uniweiss, die Tönungen elfenbein, blassorange oder zitrone werden toleriert, aber nur in beschränktem Masse.

Grösse und Gewicht: Widerristhöhe Rüden 65 bis 73 cm, Hündinnen von 60 bis 68 cm, Gewicht Rüden 35 bis 45 kg, Hündinnen von 30 bis 40 kg.